{"id":156,"date":"2012-07-30T19:42:34","date_gmt":"2012-07-30T17:42:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wobblies-kassel.de\/?p=156"},"modified":"2012-07-30T20:54:36","modified_gmt":"2012-07-30T18:54:36","slug":"die-vergessene-geschichte-des-organizing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wobblies-kassel.de\/?p=156","title":{"rendered":"Die vergessene Geschichte des Organizing!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">Wobblies und radikale deutsche Bierbrauer in den USA!<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<figure style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/hill_joe1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" title=\"Die vergessene Geschichte des Organizing!\" src=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/hill_joe1.jpg\" alt=\"Joe Hill\" width=\"240\" height=\"362\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: x-small; font-family: verdana,geneva;\">Der S\u00e4nger, Wanderarbeiter und Dichter Joe Hill bezahlte seine gewerkschaftliche T\u00e4tigkeit am 19. Nov. 1915 mit dem Leben.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">Seit 2006 wird der Begriff &gt;&gt;Organizing&lt;&lt; in Deutschland verst\u00e4rkt verwendet. Sowohl einige linke Aktivisten als auch Gewerkschafter und PR-Strategen aus dem Umfeld von IG Metall und ver.di rezipieren unter diesem Label Konzepte amerikanischer Gewerkschaften wie der SEIU zur Mitgliedergewinnung, Kampagnen-F\u00fchrung und organisatorischen Wiederbelebung<\/span> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><em>(siehe Rainer Berger + Malte Meyer in <a href=\"http:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak565\/11.htm\" target=\"_blank\">ak 565<\/a> und Eric Leiderer, IG Metall-Jugend in <a href=\"http:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak567\/42.htm\" target=\"_blank\">ak 567<\/a>)<\/em>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Man gewinnt seither den Eindruck, als sei das Organisieren in den USA erfunden worden und eine v\u00f6llig neuartige Sache. Dem ist nicht so.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Vielmehr handelt es sich\u00a0 \u2013 aus historischer Perspektive \u2013 um einen deutschen Export und Re-Import.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Die Rezeption der US-amerikanischen Arbeiterbewegung hat in Deutschland mindestens zwei\u00a0 blinde Flecken. Der eine betrifft die<strong> radikale anarchistische Vorgeschichte der us-amerikanischen sozialistischen Bewegung<\/strong>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Hier treffen wir erstaunlicher Weise verst\u00e4rkt auf radikale deutsche Sozialisten und Gewerkschafter in Chicago, Milwaukee, St. Louis, Cincinnati, besonders in den Dom\u00e4nen der deutschen Emigranten, die damals die drei Bs genannt wurden: Beer, Butchers and Bakeries (Bier, Schlachter und B\u00e4cker). Viele von ihnen waren, wie William Trautmann, durch Bismarcks Sozialistengesetze zur Emigration gezwungen worden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><strong>Die Idee der One Big Union<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">\u00a0Big Bill Haywood auf der Gr\u00fcndungsvesammlung der IWW<\/span><\/p>\n<figure style=\"width: 241px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bill_haywood_iww_convention.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"   \" title=\"Die vergessene Geschichte des Organizing!\" src=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bill_haywood_iww_convention.jpg\" alt=\"Bill Haywood\" width=\"241\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: x-small; font-family: verdana,geneva;\">Big Bill Haywood auf der Gr\u00fcndungsvesammlung der IWW<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Der zweite blinde Fleck betrifft den Beginn der modernen Arbeiterbewegun<strong><\/strong>g, der in den USA mit der Gr\u00fcndung der IWW am 27. Juni 1905 datiert werden kann. <strong><\/strong><strong><\/strong>Die<strong><\/strong> Asche der historischen IWW-Rebellen und Rebellinnen ist auch hundert Jahre sp\u00e4ter offenbar immer noch zu hei\u00df, um vom Umfeld der Profi-Gewerkschaften angefasst zu werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Der AK-Autor Peter Birke schreibt im Vorwort zu seinem Buch \u201cDie Gr<strong><\/strong>o\u00dfe Wut und die kleinen Schritte \u2013 Gewerkschaftliches <strong><\/strong>Organizing zwischen Protest und Projekt\u201d: \u201cDie ersten Organizer waren vor vierzig Jahren in Chicago aktiv\u201d. Er datiert den Beginn des Organizing demnach auf das Jahr 1936, das Coming-out des Congress of Industrial Organizations (CIO) und der United Automobil Workers (UAW) in der Motor-Town Detroit durch den epochalen Streik bei General Motors in Flynt. Zum gleichen Befund kommt das B\u00fcchlein \u201eOrganizing\u201c der IG-Metall-nahen\u00a0 PR-Agentur Kornberger und Partner, die Saul Alinksky als Gr\u00fcndervater der Idee ansehen, der seine Karriere im Umfeld des CIO-Boss Lewis in den 1930ern begonnen hatte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><strong>Der zweite Anlauf: Congress of Industrial Organisations<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Leon Bates, seit 1935 legend\u00e4rer Organizer der United Automobile Workers (CIO) im Jahr seiner Pensionierung 1964. Quelle: wikicommons<\/span><\/p>\n<figure style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/UAW_Leon_Bates_1964.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  \" title=\"Die vergessene Geschichte des Organizing!\" src=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/UAW_Leon_Bates_1964.jpg\" alt=\"Leon Bates\" width=\"230\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><span style=\"font-size: x-small;\">Leon Bates, seit 1935 legend\u00e4rer Organizer der United Automobile Workers (CIO) im Jahr seiner Pensionierung 1964. Quelle: wikicommons<\/span> <\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Die IWW-Gr\u00fcndung 1905 beinhaltete aber bereits 30 Jahre vorher den er<strong><\/strong>sten Versuch auf amerikanischem Boden, berufsst\u00e4ndische und regionale Gewerkschaften zu einer \u00fcberregionalen, transnationalen Organisation zu verbinden und in gro\u00dfe<strong><\/strong>m<strong><\/strong> Stil nicht nach Berufsgruppen sondern nach Branchen und Verwertungsketten zu organisieren. Die Gr\u00fcndung des Congress of Industrial Organisations (CIO)\u00a0 stellt im Jahr <strong><\/strong>1935 einen zweiten Anlauf in derselben Frage dar. Die <strong><\/strong>CIO-Gr\u00fcndung wurde erst m\u00f6glich durch Gesetze der Roosevelt-\u00c4ra, das Norris-LaGuardia-Gesetz von 1932 und den umfassenden Wagner-Act von 1935, die erstmals Gewerkschafter effektiv von Union-Busting-Ma\u00dfnahmen des Unternehmerlagers und ihrer Handlanger sch\u00fctzten. Voran gegangen war eine massive Eruption von Arbeiterunruhe in den Jahren nach dem Crash von 1929 , wie Staughton Lynd schreibt. Erfolgreiche lokale Generalstreiks in Minneapolis, Toledo und San Francisco und ein beinahe erfolgreicher Streik in der Textilindustrie.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Die fortschrittlicheren Teile der amerikanischen Burgeoisie erkannten, dass eine weitgehend unorganisierte Arbeiterklasse schwerer zu h\u00e4ndeln und gef\u00e4hrlicher w\u00e4re, als eine Gewerkschaftsbewegung, die eingebunden und domestiziert werden konnte und m\u00e4\u00dfigend bis bremsend auf die Arbeiterschaft einwirken musste, um Tarifvertr\u00e4ge zu erzielen. So beinhalteten die Rechte aus dem Wagner Act, Pflichten wie das Unterzeichnen einer Anti-Streik-Klausel und die Durchsetzung derer Einhaltung gegen\u00fcber der Arbeiterschaft. Solche Bedingungen wurden von den Wobblies abgelehnt. Eine konsequente Haltung, die sie mit weitgehender Marginalisierung bezahlten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Tats\u00e4chlich ging die Strategie im Falle des CIO letzendlich musterg\u00fcltig auf. Als die Roosevelt-\u00c4ra endete und in der \u00c4ra McCarthy ein reaktion\u00e4rer Umschwung erfolgte, war der CIO schon so korrumpiert, dass er nichts entgegen zu setzen hatte und sich an der Ausgrenzung und Berufsverboten gegen Kommunisten aktiv beteiligte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><strong>Coming-Out: Der gro\u00dfe Streik in Mc Kees Rocks<\/strong><br \/>\n<\/span><\/p>\n<figure style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/elizabeth-gurley-flynn-spricht1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"   \" title=\"Die vergessene Geschichte des Organizing!\" src=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/elizabeth-gurley-flynn-spricht1.jpg\" alt=\"Coming out\" width=\"300\" height=\"207\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: x-small; font-family: verdana,geneva;\">The Rebel Girl: Elizabeth Gurley Flynn spricht. Ort unbekannt.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">The Rebel Girl: Elizabeth Gurley Flynn spricht. Ort unbekannt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Die ersten gro\u00dfen Fr\u00fcchte trugen die Aufbaubem\u00fchungen von lokalen IWW-Aktivisten und herum reisenden Organizer_innen 1909 in der Stahl-Industrie bei Pittsburgh, als die IWW einem Streik in der Waggonfabrik des Trust US Steel in McKees Rocks zum Durchbruch verhalf.\u00a0 Es war der weltweit erste Streik in einer vollst\u00e4ndig taylorisierten Fabrikation. 1913 gelang es den Wobblies bei Studebaker in Detroit den wahrscheinlich ersten Streik in der Automobil-Industrie zu organisieren. Etwa 6.000 Ungelernte legten damals die Arbeit nieder und marschierten aus der Fabrik.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Das IWW-Organizing funktionierte damals nach folgendem Muster. Einzelne Wobblies arbeiten in einem Betrieb. Vielleicht gibt es vor Ort eine kleine Ortsgruppe, \u00fcber die sie sich unter einander und \u00fcberregional austauscht. Wenn ein Betrieb sich f\u00fcr Wobblies als interessant heraus stellt, versuchen m\u00f6glichst viele Mitglieder, dort unter zu kommen. Hauptindikator w\u00e4ren massive Unzufriedenheit der Arbeiterinnen, hohe Fluktuation, erste Formen von Selbstorganisation, unzumutbare Arbeitsbedingungen. Die US-Wobblies sprechen heutzutage davon, \u201eeinen Betrieb zu salzen\u201c. Der Wobbly-Organizer ist ein Salzer (\u201ea salt\u201c). Sobald die Phase der G\u00e4rung abgeschlossen ist und die gesalzene Unzufriedenheit sich in Konflikten entl\u00e4dt, geht der Kampf an die \u00d6ffentlichkeit.\u00a0 Nun schickt die IWW bekannte Redner_innen wie Big Bill Haywood, William Trautmann, Elizabeth Gurley Flynn in die Stadt. Die IWW-Presse stellt \u00fcberregionale \u00d6ffentlichkeit bis ins b\u00fcrgerlich-liberale Spektrum her. Es finden Solidarit\u00e4tsaktionen in anderen St\u00e4dten statt. Als besonders effektiv erwies es sich au\u00dferdem, Organizer_innen zu entsenden, die die Sprache der unterschiedlichen Migranten-Gruppen an den Flie\u00dfb\u00e4ndern, Webst\u00fchlen und Werkb\u00e4nken sprachen.<\/span><\/p>\n<dl class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 330px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/mc-kees-rocks_eugene-v-debs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"      \" title=\"Die vergessene Geschichte des Organizing!\" src=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/mc-kees-rocks_eugene-v-debs.jpg\" alt=\"Eugene-v-Debs.jpg\" width=\"320\" height=\"280\" \/><\/a><\/dt>\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><span style=\"font-size: x-small; font-family: verdana,geneva;\">IWW Mitglied Eugen V. Debs spricht in McKees Rocks<\/span><\/dt>\n<\/dl>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">1909 reiste der deutsche Gewerkschafter Trautmann aus der IWW-Zentrale in Chicago nach McKees Rock, der famili\u00e4re Kontakte nach Pittsburgh hatte und die Stadt kannte. Ein Onkel hatte in Homestead gearbeitet und war an dem gro\u00dfen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emma_Goldman#New_York_und_der_Homestead-Streik\" target=\"_blank\">Streik von 1892<\/a> beteiligt; es gab Arbeiter in der Fabrik, die dem Deutschen Metallarbeiter Verband angeh\u00f6rt hatten (Vorl\u00e4ufer der IG Metall); aus New York reisten italienische Wobblies an. Wer die gro\u00dfe Gruppe osteurop\u00e4ischer Arbeiter, viele kamen aus Ungarn, betreute, ist unbekannt. Im Gefolge der Redner und fremdsprachigen Organizer kamen Bohemiens, Hobos, Abenteurer, Radikale aus anderen Landesteilen angereist,Personen wie Joe Hill, die Support auf Stra\u00dfen, Pl\u00e4tzen und in Kneipen organisierten und sich den Angriffen von Schl\u00e4gertrupps und Polizeitruppen entgegen stellten, Lieder komponierten, Flugbl\u00e4tter verteilten und auf Seifenkisten agitierten. Der bekannteste dieser Streiks, die ab 1909 regelm\u00e4\u00dfig und in Wellen durch das Land brausten, fand vor 100 Jahren in der Textilindustrie von Lawrence Massachussetts statt. Er ging als <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bread_and_Roses_Strike\" target=\"_blank\">\u201eBread and Roses-Streik\u201d<\/a> in die Geschichte ein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><strong>\u201cJammert nicht \u2013 Organisiert!\u201d<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Viel eher als Saul Alinsky b\u00f6te sich Joe Hill als Ikone des Organizing an (falls soetwas \u00fcberhaupt sinnvoll erscheinen mag); das Requiem <a href=\"http:\/\/flag.blackened.net\/revolt\/songs\/usa\/joehilldream.html\" target=\"_blank\">\u201eI dreamed I saw Joe Hill l ast night\u201d<\/a>, welches am 10. Jahrestag seines Todes erschien, ist eine Ode auf den herumschweifenden Organizer, dessen Geist weiter lebt und Arbeiter_innen inspiriert. Der Wanderarbeiter, Liedermacher und IWW-Agitator hatte am 19. November 1915 in einem Gef\u00e4ngnishof in Salt Lake City vor seinem Erschie\u00dfungskommando, bevor der Befehl zu Feuern kam, gerufen: \u201eDon\u2019t mourn \u2013 Organize!\u201c (\u201eJammert nicht \u2013 Organisiert!\u201c).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Joe Hill war in den bigotten Mormonenstaat Utah gereist, um Arbeiter<\/span> <span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">im Streik gegen dortige Kupfer-Minen-Barone zu unterst\u00fctzen. Sein Todesurteil war nichts anderes als ein Frame-up, eine Verurteilung anhand gezielt fingierter Indizien, die typisch amerikanische Form des Rechtsnihilismus, der 1887 schon <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haymarket_Riot\" target=\"_blank\">die deutschen Anarchisten von Chicago<\/a> zum Opfer gefallen waren, sp\u00e4ter<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sacco_und_Vanzetti\" target=\"_blank\"> Sacco und Vanzetti<\/a> (1927) sowie das<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ethel_und_Julius_Rosenberg\" target=\"_blank\"> Ehepaar Rosenberg <\/a>(1953) \u2013 und\u00a0 um ein Haar auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mumia_Abu-Jamal\" target=\"_blank\">Abu Mumia Jamal<\/a>. Das hei\u00dft: Aktivisten werden in hochzeiten politischer Verfolgung und Hysterie mit konstruierten Vorw\u00fcrfen, die sich vor Gericht als unhaltbar erweisen, gezielt zur Strecke gebracht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><strong>Die erste Betriebsbesetzung der USA: Cincinnatti 1884<\/strong><\/span><\/p>\n<figure style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/trautmann+haywood_ganzkoerper.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Die vergessene Geschichte des Organizing\" src=\"http:\/\/www.wobblies.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/trautmann+haywood_ganzkoerper.jpg\" alt=\"Trautmann &amp; Haywood\" width=\"195\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: x-small; font-family: verdana,geneva;\">Zwei gestandene Gewerkschafter: William Trautmann (Vereinigte Brauerei-Gewerkschaft) und Big Bill Haywood (Western Federation of Miners) &#8211; vlnr.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Gehen wir noch weiter zur\u00fcck so landen wir im Jahre 1884 in Cincinnati am Ohio-River. Dort fand der erste Stay-in-Strike der USA statt. Auf deutsch: eine Betriebsbesetzung.v Die Gewerkschafter hatten sich mit Proviant auf eine mehrw\u00f6chige Belagerung eingestellt, was auch dadurch beg\u00fcnstigt wurde, dass sie wie Leibeigene in einem \u201eSchalander\u201c auf dem Betreibsgel\u00e4nde wohnten, um stets auf Zuruf verf\u00fcgbar zu sein. Der Legende nach soll ihr Kampf auch deshalb erfolgreich gewesen sein, weil sie gef\u00fcllte Bierf\u00e4sser als Barrikaden verwendeten. Als die Bundestruppen das Feuer er\u00f6ffneten \u2013 schlie\u00dflich ging es um die Freiheit des Privatbesitzes \u2013 , rann Gerstensaft auf den Asphalt. Ein Anblick, welcher die Jackson-Brauerei (<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/jerome1976\/2225318332\/in\/set-72157603828632952\/\" target=\"_blank\">hier ein Foto<\/a>) weitaus mehr schmerzte, als das Blut von Arbeitern. Die deutschsprachige Vereinigte Brauerei-Gewerkschaft war die erste, die in den USA industriell organisierte. In ihr zusammengeschlossen waren neben Brauern, Fassbindern und anderen am Produktionsprozess beteiligten Gewerken auch die Fahrer und dar\u00fcber hinaus, Wirte und Bedienungen in Kneipen. Durch die Einbindung der Fahrer konnte die Gewerkschaft eine Brauerei ebenso empfindlich treffen wie durch die Wirte und Bedienungen. Die deutschen Bierbrauer f\u00fchrten sehr erfolgreiche Boykott-Kampagnen gegen Biere-Marken gewerkschaftsfeindlicher Unternehmen durch. Zeitweilig tranken amerikanische Arbeiter_innen nur Bier mit offiziellem Gewerkschafts-Label, das sich die Unternehmer durch faire Arbeitsbedingungen und Tarifvertr\u00e4ge verdienen mussten. Noch heute ziert ein solches Label \u00fcbrigens die Dosen von Pabst Blue Ribbon, das Amerikareisenden hiermit zum Genuss empfohlen sei.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Im Juni 2012 kommen zwei Salzer aus Minneapolis \/ St.Paul nach Deutschland, um deutschsprachige Wobblies und befreundete Syndikalist_innen in die aktuellen und weiter entwickelten Techniken des Wobbly-Organizing einzuweisen. Micah Buckley-Farley und Eric Foreman haben ihr Gesellenst\u00fcck in der Sandwich-Kette Jimmy John\u2019s abgeliefert, wo sie in zweij\u00e4hriger Aufbauarbeit die Belegschaften von 9 Filialen in einem weitgehend gewerkschaftsfreien Umfeld gewinnen konnten. Sie f\u00fchren im Industrial Organizing Komitee der IWW regelm\u00e4\u00dfige Schulungen durch, um aus m\u00f6glichst jedem Wobbly einen Organizer zu machen. Eine Trennung von Organizern und Arbeitern gibt es bei der IWW nicht. Wobblies lassen den Boss f\u00fcr den Lebensunterhalt der Organizer bezahlen. Man nennt es auch Lohnarbeit.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><em>Heiner Stuhlfauth<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\"><em>[ Der Beitrag erschien in gek\u00fcrzter Form unter dem Titel &#8222;<\/em>Erinnerungen ans Humpenproletariat&#8220;<em> in der <a href=\"http:\/\/www.akweb.de\/\" target=\"_blank\">Zeitung analyse + kritik<\/a> Nr. 572, 15. Juni 2012. ]<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Mehr Infos zur IWW Jimmy John\u2019s Workers Union: <a href=\"http:\/\/organize.wobblies.de\" target=\"_blank\">http:\/\/organize.wobblies.de<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">Mehr zur IWW-Geschichte, Frauen, US-Arbeiterbewegung und Organizing: <a href=\"http:\/\/www.wobblies.de\/?p=1793\" target=\"_blank\">Lucy Parsons \u2013 gef\u00e4hrlicher als 1000 Randalierer<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"vertical-align: text-bottom;\" title=\"Die vergessene Geschichte des Organizing\" src=\"http:\/\/www.wobblies-kassel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Sternengucker.jpg\" alt=\"Sternengucker\" width=\"675\" height=\"540\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; font-family: verdana,geneva;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"fb-root\"><\/div><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.wobblies-kassel.de\/?p=156\" send=\"true\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"true\" font=\"verdana\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wobblies und radikale deutsche Bierbrauer in den USA! 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